Ein Bericht über unsere Staffel und die 1. Vorsitzende Michaela Berger von Joscha Kuczorra | Cuxhavener-Nachrichten vom 22.06.2019

KREIS CUXHAVEN. Im gesamten Landkreis ist die Rettungshundestaffel Cuxland im Einsatz. Anfang Juni suchten die ehrenamtlichen Kräfte auch nach einem vermissten Oldendorfer.

Für die Hunde ist es Spiel und Spaß, für die Menschen hat die ehrenamtliche Arbeit einen ernsten Hintergrund. Michaela Berger führt das Team als Vorsitzende an.

Ginger, Akira und Luna fangen an zu bellen, als unten an der Tür Bewegung herrscht. „Die passen auf. Sie lassen jeden rein, aber nicht jeden wieder raus“, warnt Michaela Berger schmunzelnd. Die drei dunklen Labradore sind nicht leicht zu bändigen. Aber Michaela Berger hat die Hunde im Griff. Sie gehorchen aufs Wort.

Vor etwas weniger als 20 Jahren zog die heute 46-Jährige wegen ihres Berufes vom oberösterreichischen Ried ins Cuxland. Vor knapp sieben Jahren stieß Labrador Ginger zur Familie. „Ich wollte etwas mit dem Hund machen – etwas Sinnvolles“, erinnert sich Berger, die in Bramstedt (Hagen) wohnt. „Dann sind wir auf die Rettungshundestaffel gestoßen und haben mitgemacht – aus der Überzeugung, Menschenleben retten zu wollen.“

Die Staffel wurde 2012 ins Leben gerufen. Die Ehrenamtlichen werden gerufen, wenn Personen vermisst werden – nach Unfällen, bei Suizid-Versuchen oder wenn Menschen sich verirrt haben. Die Zahl der Einsätze pro Jahr sei laut Pressesprecher Kim Simon Ortgies variabel. Seit September sei die Staffel neun Mal angefordert worden.

Ortgies und Michaela Berger äußern Kritik an der Polizei. „Oftmals werden wir zu spät gerufen. Dann sind wir die letzte Option – in der Hoffnung, dass die Hunde noch etwas wittern können“, berichtet Michaela Berger. „Aber wir sind Tag und Nacht erreichbar, 365 Tage im Jahr und kosten nichts. Je früher wir gerufen werden, desto besser.“ Privatpersonen können die Rettungshundestaffel nicht anfordern. Aber sollte ein Angehöriger vermisst werden, können sie der Polizei erklären, dass sie sich die Hilfe des ehrenamtlichen Suchtrupps wünschen.

Gedanken nach dem Einsatz

80 bis 90 Prozent der Einsatz-Zeit seien Suchen ohne Erfolg. Hinterher denke man darüber nach, ob man alles richtig gemacht habe, schildert Michaela Berger: „Habe ich auch wirklich niemanden überlaufen?“

Mal sei mehr zu tun, mal weniger, berichtet Pressesprecher Ortgies. Gerade in der trüben Jahreszeit häuften sich die Einsätze. „Jeder Einsatz hat seine Besonderheiten“, so Michaela Berger. Bis zu 13 Kilometer legen Mensch und Tier pro Einsatztag zurück. Dann durchkämmen sie Felder, Wälder oder Gebäude.

Derzeit umfasst die Staffel 22 Mitglieder. Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit sind sie Lehrer, Schweißer oder Richter. Ein Vierbeiner ist keine Voraussetzung. Denn gesucht wird immer in Zweier-Teams bestehend aus Hundeführer und Suchgruppenhelfer. Letzterer übernimmt die Kommunikation, das Funken oder die Orientierung. „Es ist nicht so, dass man einfach hinter dem Hund herläuft“, erklärt Michaela Berger. „Unsere Mitglieder werden ausgebildet.“ Sie müssten unter anderem GPS-Ortung oder Erste Hilfe beherrschen.

Mindestens ein halbes Jahr dauere für Suchgruppenhelfer die Ausbildung, an dessen Ende die Prüfung steht. Die Lehre der Hunde dauert etwa zwei Jahre. Vierbeiner müssen bei der Prüfung eine Fläche von 50 000 Quadratmetern absuchen und zwei vermisste Personen finden.

Während Flächensuchhunde nach beliebigem menschlichem Geruch suchen, nehmen Mantrailer die Spur einer bestimmten Person auf. Dafür nehmen sie vorher die Witterung an einer Socke, an einem Taschentuch oder einem anderen persönlichen Gegenstand auf. Thekla und ihr siebenjähriger Beagle Greta sind sogar für die Polizei Niedersachsen im Einsatz.

Mittlerweile ist die vierbeinige Anhängerschaft der Vorsitzenden Berger um zwei weitere Mitglieder gewachsen. Akira und Luna feiern in der kommenden Woche ihren dritten beziehungsweise zweiten Geburtstag. Die 46-Jährige ist seit 2014 Vorsitzende der Rettungshundestaffel.

Außerdem ist sie Ausbildungsleiterin und sitzt im Bundesvorstand der Rettungshundestaffeln. Das alles macht sie neben ihrem Beruf: Die 46-Jährige führt eine Spedition in Bremerhaven. „Ich kann nicht jederzeit hier weg. Wenn die Hütte brennt, muss ich zu einem Einsatz nachkommen“, berichtet die Vorsitzende über ihr ehrenamtliches Engagement. „Ich engagiere mich gerne. Ich mache es für die Staffel, nicht für mein Ego“, versichert die bescheidene Berger.

Pressesprecher Kim Simon Ortgies ist seit 2016 dabei – ohne Hund. Der in Hagen wohnende Mediengestalter kam durch seine Familie zur Staffel. „Ich hatte einfach Bock drauf“, erinnert sich der 25-Jährige. Er ist für die Außendarstellung des Teams zuständig. Ortgies betreut die Internetseite und die Social-Media-Kanäle, erstellt Banner oder kümmert sich um Medieninhalte.

Verschiedene Charaktere

„Wir hätten uns ohne die Rettungshundestaffel niemals kennengelernt. Uns verbindet die Liebe zu Hunden und das Helfersyndrom“, so Michaela Berger. „Wir haben so viele verschiedene Charaktere aus dem Cuxland bei uns. Alle arbeiten für einen Zweck: um Menschen in Not zu helfen.“

Zwei Mal pro Woche trainieren Hund und Mensch – etwa zehn bis 15 Stunden. Gerade für die Hunde sei die Übung wichtig. Dabei werden verschiedene Szenarien durchgespielt. „Die Hunde müssen so viel wie möglich kennenlernen. Es ist wichtig, dass sie immer wieder etwas Neues bekommen“, erklärt die Vorsitzende Berger.

Mal werden Personen verkleidet oder so angemalt, dass sie wie blutüberströmt aussehen. Mal verstecken sie sich auf dem freien Feld oder verschanzen sich. „Es muss trainiert werden. Im Einsatz kann alles vorkommen: bewusstlos, schwer verletzt oder tot“, erklärt Berger. „Der Spaß steht für die Hunde im Vordergrund. Für sie ist es ein Spiel. Wir wissen um den ersten Hintergrund.“

Die Staffel sei kein „Hausfrauen-Verein, der den Hund beschäftigt“. Außerdem sei „das Tier kein Arbeitsgerät. Hund und Mensch sind ein Team. Sie müssen gegenseitig Vertrauen gewinnen und Synergie erzeugen“, betont Berger. „Das Suchen kann jeder Hund, aber man braucht eine gewisse Bindung zum Tier.“

Das funktioniert zwischen der Vorsitzenden und ihren Partnern mit der kalten Schnauze gut. Ginger, Akira und Luna wuseln über den Hof. Als Berger den Kofferraum ihres VW Caddys öffnet, sind sie Sekunden später im Auto verschwunden – ohne Worte.

Rettungshundestaffel Cuxland:

Die Rettungshundestaffel Cuxland sucht noch weitere Mitglieder. Das Team arbeitet ehrenamtlich. Die Staffel ist auf Spenden angewiesen.

Die Mitglieder freuen sich nicht nur über Geldspenden, sondern auch über Material, Equipment oder zur Verfügung gestellte Trainingsgebiete. Dazu zählen Wälder, Firmengelände, leerstehende Gebäude oder Hallen.

Mail: an berger@rhs-cuxland.de oder ortgies@rhs-cuxland.de

Telefon: Michaela Berger unter (01 76) 19 72 91 20, Kim Simon Ortgies unter (01 57) 74 78 95 98.